Avatar

Das waren noch Zeiten... BB & 300SLR (MB-Exotenforum)

Jörg 280TE A-M-G Stufe II ⌂, Donnerstag, 05.05.2022, 17:49 (vor 24 Tagen) @ romu

Nach der aktiven Zeit mit Boris Becker verunfallt

https://www.zwischengas.com/de/HR/rennwagenberichte/Mercedes-Benz-300-SLR.html

[image]

[image]


Das berühmte Auto mit der grossen, roten Startnummer 722 erlitt 41 Jahre nach seinem letzten Einsatz am 17. Juli 1996 einen weiteren Unfall, zurückzuführen auf ein Missverständnis zwischen Klaus Seybold im 722 und Alexander Grau im C-Klasse-Tourenwagen. In der C-Klasse sass damals der Tennisstar und neu gewonnene Botschafter des Hauses Mercedes, Boris Becker auf dem Beifahrersitz. Der Unfall erfuhr natürlich gerade wegen Becker ein sehr grosses Medieninteresse. Der 300 SLR kam zur Reparatur nach Hinterzarten in den Hochschwarzwald, wo er von Hubert Drescher wieder auf Vordermann gebracht wurde.

Bild Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - die Arbeit am Magnesiumblech ist heikel (Reparatur/Restaurierung 1996)
Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - die Arbeit am Magnesiumblech ist heikel (Reparatur/Restaurierung 1996)
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard
Die Beschädigungen am Fahrzeug befanden sich auf der rechten Seite zwischen den Rädern, wo auch der Seitenauspuff schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Natürlich bekam auch der Gitterrohrrahmen vom Einschlag der C-Klasse so einiges ab. Dieser wurde in Fellbach vom Mercedes-Benz Classic Center wieder auf Vordermann gebracht. Diverse Rohre aus dem ein Millimeter dicken Chrom-Molybdän-Stahl mussten neu eingeschweisst werden.

Bei Drescher wurde das Auto genau vermessen und dabei wurden grosse Abweichungen festgestellt. So befand sich die linke Frontseite ein Zentimeter vor der Rechten und die Kühleröffnung war im Vergleich zum Originalplan von 1955 um fünf Zentimeter tiefer. Alles Folgen diverser Ausritte bei der Mille Miglia, der TT in Dundrod und der Targa Florio. "Moss fuhr nicht gerade materialschonend" meint Seybold dazu. "Und das bis heute", meinte Dieter Ritter (damaliger Sprecher der Mercedes Benz Classic), "denn selbst bei der MM 1996 fuhr Moss auf einen Mitbewerber auf, so können wir nun gleich zwei Versicherungsfälle auf einmal begleichen".

Bild Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - komplexe Karosseriereparaturen (Reparatur/Restaurierung 1996)
Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - komplexe Karosseriereparaturen (Reparatur/Restaurierung 1996)
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard
Aufwändige Reparaturen
Das grösste Problem lag in der Beschaffung von Magnesium-Platten, dem federleichten Metall (rund ein Drittel leichter als Aluminium), um die Karosserie wieder herzustellen. Nachdem man weltweit nach den Platten Ausschau gehalten hatte, fanden sie sich vor der Haustür in Untertürkheim, wo Seybold einige originale Restplatten passender Dicke entdeckte. Selbst für Drescher war die Verarbeitung von Magnesium Neuland. Er informierte sich einerseits über Fachliteratur, anderseits kontaktierte er den damals 76-jährigen Karosseriebauer Meister Schüller, der schon in den 50er Jahren beim Aufbau der Silberpfeile mit dabei war.

Bevor die kaltverformte SLR-Karosserie beschnitten werden konnte, musste ein Hilfsrahmen gebaut werden. Mit einem Flächenbrenner wurden die Magnesiumteile auf rund 300 Grad erhitzt um sie dann auf der Press-Spanholzform mit einem Buchenholzhammer in ihre neue Form zu treiben. Nachdem bei autogenem Schweissen infolge des Flussmittels Korrosion auftrat, musste auf das "Wolfram-Innert-Gas-Schmelzschweiss-Verfahren" dem sogenannten WIG-Schweissen, ausgewichen werden.

Bild Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - weitgehend fertig (Reparatur/Restaurierung 1996)
Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - weitgehend fertig (Reparatur/Restaurierung 1996)
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard
Hubert Drescher legte beim Wiederaufbau grossen Wert auf die Ästhetik und den Charakter des Fahrzeugs. Am Silberpfeil sollte auch nach der Restaurierung noch sein wahres Alter sichtbar sein. 1955 legte man wenig Wert auf Perfektion im Detail. Hammerschläge wie Nieten waren sichtbar und sie sollten es auch weiterhin bleiben. Genauso beliess man die unterschiedlichen Spaltmasse, auch sie sollten nicht vereinheitlicht werden.

--
[image]
In unserer Hobby-Garage:
S123 280TE A-M-G Stufe II ´84
W114 230/8 ´70 Frenchman
W113 280SL/8 ´70
W189 3-0-0 d ´58
A124 E200 Cabrio


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum