Opel Dipl.-A 4,6l-V8-Cp/1964>67 (MB-Exotenforum)

R_S ⌂ @, Regensburg, Sonntag, 14.02.2021, 15:00 (vor 18 Tagen) @ FrankWo

Danke Dir!
Und mal so ganz ohne Zahlen und Fakten auch von mir ein paar Worte, u.a. zu den Markendünkeln, die hier durchklingen ...
Opel war in den 50ern und 60ern - auch noch in den 70ern - eine ganz große Nummer in Deutschland. Eine komplette Palette vom Kleinwagen bis zur Luxusklasse (die Modelle unterhalb Käfer/Kadett überließ man damals in D gerne den Franzosen und Italienern) hatte kein Hersteller in Deutschland außer Opel, und die Marke galt als modern, fortschrittlich, dabei nicht abgehoben, und Opels waren nach damaligen Standards ordentlich verarbeitet und zuverlässig. Das waren auch die Gründe für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg der Marke. Opel war damals nicht das Sorgenkind von GM.

Der Rekord war der Standard der Mittelklasse-Limousine, an dem sich andere messen lassen mußten. Mit Commodore und Kapitän/Admiral/Diplomat hatte Opel die gehobene Mittelklasse und Luxusklasse etwas aufgeplustert, aber das Konzept war erfolgreich bei der bürgerlichen Kundschaft.
Ein Gastwirt oder Metzgermeister, ein Abteilungsleiter oder Vertreter (etc.) tat gut daran, anstelle eines Mercedes einen Opel Admiral oder Commodore zu kaufen, denn es fehlte der unangenehme bis schädliche Protz-Effekt, den die Kundschaft oder Kollegen bei der Marke mit Stern empfanden.

Und die Opels schwammen mit ihrem dem US-Styling entlehnten Aussehen auf der damaligen Zeitgeist-Welle, deswegen galten sie als modern und modisch, auch wenn allzu große technische Innovationen fehlten. Der altmodische Benzgrill, der die Front der schwäbischen Nobelmarke zierte, wirkte dagegen altbacken - wenn auch gediegen. Vorkriegsoptik wollten viele Kunden in den 60ern nicht mehr sehen.

Ein paar Extravaganzen leistete sich Opel auch: Dieses bärenstarke V8-Coupe war eine davon. Der Opel GT zählt wohl auch dazu. Für einen Massenhersteller waren sie ein vertretbares wirtschaftliches Risiko. Die 1970 eingeführte kompakte Mittelklasse zwischen Kadett und Rekord, Ascona und Manta, war da eher ein größeres Unterfangen.

Und gewissermaßen als Zeitzeuge kann ich die Seltenheit des V8-Diplomat-Coupes bestätigen. Ich habe noch nie so ein Ding im Straßenverkehr gesehen.
Ein 300 SEL 6.3 oder 911 Turbo sind dagegen Massenware.
Zusammen mit dem nicht komplett durchrestaurierten Zustand des angebotenen Opel, keine peinlich neu wirkenden Sattlerarbeiten wie bei den überteuerten Komplettrestaurationen mit Stern etc., würde ich sagen, daß sich der Preis wohl an den einen Liebhaber richtet, dem dieses einmalige Fahrzeug mit Blitz statt Stern so viel wert ist. Ich wage nicht zu raten, ob annähernd so viel bezahlt wird. :)

Sorry für mein vergleichsweise unsachliches Gelaber, aber im Rückblick rümpfen viele heute die Nase über Opel, obwohl die Rüsselsheimer lange Zeit zu Recht Marktführer in D waren.
Ich bin übrigens gar kein Opel-Fan :)

Grüße, Frank


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